Selbstbestimmung der Weitergabe persönlicher Daten an einen Elternteil
Die Frage, ab welchem Alter und Entwicklungsstand ein Kind selbst bestimmen kann, welche Informationen über seine persönlichen Angelegenheiten an einen Elternteil weitergegeben werden dürfen wurde in einem Verfahren vor dem OLG Brandenburg behandelt.

In diesem Fall ging es um das Recht eines Elternteils, Informationen über das Leben des Kindes zu erhalten, insbesondere in Bezug auf medizinische, schulische und andere persönliche Belange. Das Gericht stellte klar, dass es entscheidend ist, das Alter und den Entwicklungsstand des Kindes zu berücksichtigen. Wenn ein Kind ein bestimmtes Alter und eine entsprechende Reife erreicht hat, kann es selbst entscheiden, welche Informationen an die Eltern weitergegeben werden.

Der zentrale Punkt des Beschlusses ist, dass die Privatsphäre und das Selbstbestimmungsrecht des Kindes zunehmend an Bedeutung gewinnen, je älter und reifer es wird. Das Gericht betonte, dass ein Kind in der Lage sein muss, eigenständig zu entscheiden, was es über seine höchstpersönlichen Angelegenheiten mitteilen möchte, sobald es ein bestimmtes Maß an Einsichtsfähigkeit und Reife erreicht hat. Dabei wird individuell geprüft, ob das Kind die Konsequenzen seiner Entscheidungen verstehen kann.

Das Gericht nahm eine differenzierte Betrachtung vor: Es wurde festgestellt, dass es keinen festen Altersgrenzwert gibt, ab dem ein Kind diese Entscheidungsfreiheit hat. Vielmehr ist eine Einzelfallprüfung erforderlich, bei der das Alter, die persönliche Reife und der Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass jüngere Kinder in der Regel weniger in der Lage sind, solche Entscheidungen eigenständig zu treffen, während ältere Kinder, insbesondere Teenager, zunehmend dazu fähig sind.

Zusammengefasst legt der Beschluss fest, dass das Recht eines Kindes auf Selbstbestimmung und Privatsphäre gestärkt wird, sobald es das entsprechende Alter und die nötige Reife erreicht hat. Eltern müssen respektieren, dass ihr Kind selbst entscheiden kann, welche persönlichen Informationen weitergegeben werden sollen. Das Gericht schützt somit die Autonomie und das Persönlichkeitsrecht des Kindes, indem es die Bedeutung der individuellen Reife und Einsichtsfähigkeit in den Vordergrund stellt.
OLG Brandenburg, Beschluss vom 15.11.2023, Az.: 13 UF 62/23, eingestellt am 08.07.2024