Zumutbare Fremdbetreuung bei erweitertem Umgang
Das Oberlandesgericht Nürnberg befasste sich in einem Verfahren mit der Frage der zumutbaren Fremdbetreuung von Kindern im Rahmen eines erweiterten Umgangsrechts. Kernfrage war, ob der Vater als umgangsberechtigter Elternteil verpflichtet ist, während seiner Umgangszeiten eine Fremdbetreuung zu organisieren, wenn er aus beruflichen Gründen verhindert ist.

Nach § 1684 Abs. 1 BGB hat jedes Kind das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen. Das Gericht muss gemäß § 1697a Abs. 1 BGB diejenige Entscheidung treffen, die unter Berücksichtigung der tatsächlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten sowie der berechtigten Interessen der Beteiligten dem Kindeswohl am besten entspricht.

In diesem Fall hatte das Amtsgericht Fürth ursprünglich eine Regelung getroffen, nach der die Kinder alle 14 Tage von Donnerstag nach Schulschluss bis Montag vor Schulbeginn beim Vater sein sollten. Der Vater legte dagegen Beschwerde ein, da er aufgrund beruflicher Verpflichtungen diese Zeiten nicht regelmäßig abdecken könne und eine Fremdbetreuung als unzumutbar empfand.

Das OLG Nürnberg entschied jedoch, dass eine Fremdbetreuung in bestimmten Fällen zumutbar ist, insbesondere wenn beide Elternteile beruflich stark eingebunden sind. Eine Betreuung durch Dritte kann sicherstellen, dass die Kinder dennoch regelmäßig Zeit mit beiden Elternteilen verbringen. In der Anhörung gaben die Kinder an, mit der bisherigen Regelung zufrieden zu sein und ein gutes Verhältnis zur neuen Ehefrau des Vaters zu haben, die auch teilweise die Betreuung übernehmen könnte.

Das Gericht stellte fest, dass eine flexible Handhabung der Umgangszeiten praktikabel ist, solange das Wohl der Kinder nicht beeinträchtigt wird. Die bereits seit Jahren praktizierte Regelung, die im Notarvertrag der Eltern festgehalten wurde und eine Aufteilung der Betreuungszeiten vorsieht, blieb weitgehend bestehen, da sie den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder entsprach und praktikabel durchführbar war.

Das OLG Nürnberg betonte insgesamt, dass bei der Festlegung von Umgangszeiten sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch die beruflichen Verpflichtungen der Eltern berücksichtigt werden müssen. Fremdbetreuung kann dabei eine zumutbare Lösung sein, um den erweiterten Umgang sicherzustellen.
OLG Nürnberg, Aktenzeichen 9 UF 744/23, Beschluss des vom 18. Januar 2024, eingestellt am 01.07.2024